Käuze und Eulen


Gespenster der Nacht

Es erheitert, wenn frohgestimmte Spaziergänger nachts erschreckt zusammenfahren und plötzlich das laute Gespräch verstummt. Sie schauen verängstigt nach den Seiten, weil sie Zeugen waren, als die Schleiereule ihren schaurigkreischenden Laut von sich gab. Oder wenn der Ruf des Waldkauzmännchens das Dunkel der Nacht durchdringt.

Das „unheimliche menschliche“ Gesicht, die Nähe und dennoch Unnahbarkeit einiger Eulenarten für den Menschen, ist weltweit eine vielfältige Mythologie entstanden: Sie gelten als Symbole der Seele und ihren Wanderungen nach dem Tode, als Sinnbild für die Mächte der Finsternis, als Vorzeichen des nahen Todes, nach Feuersbrunst oder Seuchen, aber auch als Inbegriff der Weisheit, der Hilfsbereitschaft und Tapferkeit.

Seit jeher üben Eulen eine magische Faszination auf Menschen aller Zeiten und Kulturen aus. Bis heute schwingt Furcht in der Faszination mit, trotz zunehmender Kenntnisse über die Biologie der Eulen. Volkswissen und Aberglaube machen dabei nur wenige Unterschiede zwischen verschiedenen Eulenarten.

 

Allgemeines

Alle Eulen sind Dämmerungs- und Nachtaktiv. (Ohne Steinkauz) Sie sind Nachtgreifvögel. Sie gehören aber im eigentlichen Sinn nicht zu den Greifvögeln. Man zählt Weltweit gegen 133 Eulenarten. Wovon 10-Schleiereulenarten. Spärliche Fossilfunde lassen vermuten, dass die ersten Eulen schon vor 70-135 Millionen Jahren existierten. Greifvögel und Eulen sind von ihrer Abstammung her nicht näher verwandt. Vergleichbare Entwicklungen haben sich aber durch Lebens-rund Ernährungsweise (z.B. Hakenschnabel) und die Nutzung der Lebensräume ergeben. Eulen leben meist heimlich und versteckt.

 

Gesichtsschleier und Beweglichkeit

Alle Eulen haben einen Gesichtsschleier. Er dient bei der Beutesuche zur Aufnahme der Geräusche. Eulen haben starre Augen. Sie können sie also nicht drehen, sondern müssen den ganzen Kopf bewegen, wenn sie in eine andere Richtung sehen wollen. Der Hals kann in beide Richtungen bis zu 270 Grad gewendet und um bis zu 180 Grad geneigt werden. (Der Kopf steht dann kopf) Das Gesichtsfeld der Eulen ist mit durchschnittlich etwa 110 Grad viel eingeschränkter als z.B. beim Menschen (ca. 180 Grad) Das Sehvermögen der Eulen darf nicht überschätzt werden. Bei absoluter Dunkelheit kann auch eine Eule nichts sehen.

 

Nistplatzwahl

Ausser den Sumpfohreulen bauen Eulen keine Nester. Sie sind in Höhlen, Scheunen, Türme, alte Bäume, Krähen-oder Elsternester, Spechthöhlen, Gärten-oder Parkanlagen, Feldgehölze zu Hause.

 

Brutbiologie

Eulen leben meist in Dauerehe. Klare Rollenverteilung. Es brütet immer das Weibchen. Das Männchen besorgt die Nahrung. In Jahren, in welchen die Hauptbeutetiere nur spärlich vorkommen, beginnen viele Eulen überhaupt nicht mit einer Brut. Beim Waldkauz z.B. kommt dies häufig vor. Kleinere Arten legen 4-7 Eier. Grössere 1-3. Der Legeabstand beträgt bei den kleineren Arten meist 2- Tage, bei den grösseren 3 und mehr. Mit Ausnahme von ausgeprägten Höhlenbrütern wie Sperlings-und Steinkauz beginnen die meisten Arten mit der Ablage des ersten Eies zu brüten. Das hat zur Folge, dass die jungen in Abständen von mehreren Tagen schlüpfen und dementsprechend unterschiedliche Grössen aufweisen. Von daher kommt auch der Ausdruck „Orgelpfeifen.“

 

Balz

Sie beginnt meistens im Herbst (Oktober - November), beruhigt sich dann allmählich. Sie steigert sich dann wieder ab Januar - Februar bis in den März hinein. Die Balz der Eulen verläuft vor allem akustisch. Die Aktivität ist stark Witterungsabhängig. Sie sind eher nur an windstillen und klaren Nächten zu hören. In Hochstimmung rufen die Männchen oft Stundenlang fast ununterbrochen und steigern die Kadenz, sobald sich ein Weibchen zu erkennen gibt. In der Regel sind sie ca. eine halbe Stunde ab Sonnenuntergang bis ca. 22 Uhr zu hören. Anschliessend manchmal eine Pause bis ca. Mitternacht. Dann setzen sie ca. 1-2 Stunden vor dem Morgengrauen wieder fort.

 

 

Waldkauz

 

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Der Waldkauz ist unsere häufigste einheimische Eule. Er ist Dämmerungs- und Nachtaktiv und kommt in lichten Wäldern, Gehölzen, Parks mit ausreichendem Höhlenangebot und auch in Städten vor.

Tagsüber ruht der Waldkauz gut getarnt in einem Versteck. Mit etwas Glück kann man sie auch am Tag ausmachen.

In der Dämmerung und nachts geht er auf Jagd nach: Kleinsäugern, Kleinvögeln und Amphibien. Als Höhlenbrüter bevorzugt der Waldkauz natürliche Baumhöhlen, Felshöhlen, aber auch Mauerlöcher und auch geeignete Nistkasten werden angenommen
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Steinkauz

 

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Der Steinkauz ist zurzeit stark bedroht. Er liebt offenes Gelände mit niedriger Vegetation, Warten und Höhlen, Streuobstwiesen und Kopfweidenbestände. Er ist Dämmerungs- und Tagaktiv, meist territorial. Die Beute wird meistens im Suchflug oder von einer Warte aus am Boden geschlagen.

Die Nahrung des Steinkauzes ist ähnlich der des Waldkauzes, wobei noch Insekten und Regenwürmer dazu kommen. Den Hauptanteil stellen aber die Mäuse. Nach kalten Wintern kommt es hauptsächlich zu Bestandeseinbrüchen.

Doch ist er durch zunehmende Lebensraumzerstörung immer stärker bedroht. Es werden zurzeit grosse Anstrengungen unternommen, um den Steinkauz in unserer Gegend wieder stärker zu besiedeln.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Steinkauz brütet in Baumhöhlen, alten Kopfweiden, Speichern und Scheunen, in Lücken von Mauern. In Vogelschutzkreisen wird auch mit Nistkasten (Röhrenkasten) versucht, den Steinkauz wieder anzusiedeln.

 

 

Schleiereule

 

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Aufklärung und immer sorgfältigere Naturbeobachtung haben dazu beigetragen, dass spätestens seit Beginn des Zwanzigstenjahrhunderts in weiten Teilen Europas Schleiereulen von der bäuerlichen Bevölkerung zunehmend akzeptiert und in manchen Regionen sogar systematisch an ihrer Ansiedlung unterstützt wurden.

Der Mäusefang, selbst innerhalb der Scheunen und Fruchtböden, war willkommen. Die „Eulenluken“, die in weiten Teilen in vielen Scheunengiebeln der Bauernhäuser angebracht wurden, sind hierfür ein schöner Beleg.

Im Abstand von 30 bis 80 Stunden werden die Eier des Geleges gezeitigt. Die Henne brütet bereits ab dem ersten Ei fest. Sie hat, wenn sie das neunte und letzte Ei legt, bereits 21 Tage gebrütet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Ei wird ziemlich genau einen Monat (31 bis 32 Tage) bebrütet. Zehn Tage nachdem das letzte Ei gelegt wurde, wird das erste Küken schlüpfen.

 

 

Waldohreule

 

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Die Waldohreule mit ihrem rindenfarbigen Gefieder ist viel schlanker als der Waldkauz. Als typisches Zeichen seines Aussehens sind seine anlegbaren Federohren sowie die orangefarbenen Augen. Die Waldohreule jagt über Wiesen, Mooren, Feldern. Sie brütet in kleinen Baumgruppen, Feldgehölzen und an Waldrändern.

Die Dämmerungs-und Nachtaktive Eule ist neben dem Waldkauz die häufigste Eule in unseren Regionen. Während der Winterzeit kann es vorkommen, dass man die Waldohreule sogar in Parkanlagen oder Friedhöfen beobachten kann. Das Weibchen legt vier bis acht Eier überwiegend in alte Krähen- und Elsternnester.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dort werden sie 27-28 Tage gebrütet, bevor dann die Jungen schlüpfen. Nach ca. 26 Tagen verlassen dann die Jungen das Nest. Sie sind aber noch nicht flugfähig. Sie sitzen dann noch bis zum Alter von zwei Monaten auf Ästen in Nestnähe. Deshalb werden sie auch Ästlinge genannt. Die Ästlinge sind dann nach etwa 35 Tagen flügge.

 

 

Uhu

 

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Der Uhu ist unsere grösste einheimische Eulenart. Er hat auffällige Federohren und leuchtend rotgelbe Augen. Der Uhu ist in Europa leider sehr selten geworden. In manchen Gebieten gilt er sogar als ausgestorben. Nur noch wenige Menschen haben das Glück, den „König der Nacht“, in freier Wildbahn zu sehen, oder seinen Ruf zu hören.

Der Nacht-und Dämmerungsaktive Uhu ist trotz Schutzmassnahmen stark bedroht. Er jagt in reichgegliederten Landschaften, die auch im Winter genügend Nahrung bieten. Sein Menüplan besteht aus: Kleinsäuger wie Feldmaus, Spitzmaus bis hin zu Junghase, Jungfuchs, drossel- bis knapp hühnergrosse Vögel, aber auch andere Eulen und Greifvögel.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Uhu brütet in Felswänden und Steilhängen mit freiem Anflug. Zwei bis vier Eier werden in Felsnischen, auf Felsbändern direkt auf den Boden gelegt. Nach 31-37 Bruttagen (vom ersten Ei an) schlüpfen in unregelmässigen Abständen die Jungen. Die Nestlingszeit beträgt 5-7 Wochen, bevor sie dann nach etwa 9 Wochen fliegen können. Selbstständig Beute schlagen werden sie allerdings erst nach 20 Wochen in der Lage sein.

 

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