Schwarzwild


Ursprünglich waren Wildschweine eigentlich tagaktive Tiere. Doch die Besiedelung und die starke Bejagung durch den Menschen und die damit verbundenen Störungen, zwangen die Wildschweine dazu, ihre Aktivitäten auf die Nacht zu verlagern. Tagsüber suchen Wildschweine die Deckung des Unterwuchses, Schilf oder Fichtendickicht. Sie ruhen dort in sogenannten Kesseln (Lager), welche fast täglich an einen anderen Ort neu angelegt werden. In der Dämmerung brechen sie dann zur Nahrungssuche und zum Suhlen (Schlammbaden) auf. Das Wildschwein ist grundsätzlich ein Allesfresser. Es frisst zum Beispiel: Wurzeln, Gräser, Früchte der Waldbäume (Mast), Getreide, Würmer, Insekten, Aas, Kleinsäuger, Rehkitze und Gelege von Bodenbrütern.



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Wildschweine leben gesellig in sogenannten Rotten (Gruppen) und zeigen ein ausgesprochenes Sozialverhalten. Eine Rotte besteht aus Bachen (erwachsene Weibchen), Überläufern (Männchen und Weibchen im 2. Lebensjahr) und Frischlingen (Junge). Erwachsene Keiler (erwachsene Männchen) leben dagegen als Einzelgänger, die sich nur während der Rauschzeit (Paarungszeit) zu der Rotte gesellen.

In der Rotte herrscht eine straffe Rangordnung. Geführt wird eine Rotte immer von einer Bache. Dies ist in der Regel die älteste Bache (Leitbache). Die Leitbache verfügt über die meiste Erfahrung. Gibt es mehrere gleichaltrige Bachen in einer Rotte, so wird der Rang unter ihnen ausgekämpft.
 





















Die Leitbache bestimmt in hohem Masse die Aktivitäten der Rotte wie: Nahrungssuche, Suhlen, Auswahl der Kessel und den Zeitpunkt der Rauschzeit.
Wird die Leitbache rauschig (paarungsbereit), so überträgt sie ihr unruhiges Verhalten auf die anderen Bachen, sodass nach etwa zwei Wochen eine nach der andern rauschig wird. Stirbt die Leitbache, wird deren Rolle entweder ersetzt, oder die Rotte löst sich auf.



Fortpflanzung

Der Beginn der Rauschzeit wird von den Bachen bestimmt, da die Keiler das ganze Jahr über befruchtungsfähig sind. Sie fällt in die Zeit von Ende Oktober bis März, mit Schwerpunkt im November/Dezember. (Wenn plötzlich die Leitbache zu Tode kommt, so können die Bachen auch im Sommer rauschig werden). Zuerst werden die älteren Bachen rauschig, anschliessend die Überläuferbachen und nach einem guten Mastjahr sogar die Frischlingsbachen. Kurz bevor die Bachen rauschig werden, stossen die Keiler zur Rotte und kämpfen um die Vorherrschaft in der Rotte. Der stärkste Keiler beschlägt (befruchtet) alle befruchtungsfähigen Bachen und verlässt dann die Rotte wieder.



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Nach vier Monaten Tragzeit frischt (wirft) die Bache in einem extra gebauten Wurfkessel (Nest) bis zu zehn Frischlinge.

 Da die Bache nur über acht Zitzen verfügt, können höchstens acht Frischlinge aufgezogen werden; die andern überleben meistens nicht. Nach ca. einer Woche verlassen die Frischlinge zum ersten Mal den Wurfkessel und folgen der Mutter auf Entdeckungsreise und Nahrungssuche.

Die Überläuferkeiler werden von den Bachen nur ca. 18-Monate in der Rotte geduldet. Sie schliessen sich zu sogenannten Überläuferrotten zusammen, welche aber nach gewisser Zeit auseinanderbrechen.
























Struktur der Wildschweinfamilie


Bache


Bache


Als Bache (Bach, Bachin) wird das weibliche Wildschwein ab dem dritten Lebensjahr bezeichnet. Hier spricht man auch von einer drei jährigen- sowie einer vierjährigen Bache.

Bereits vor der Vollendung des ersten Lebensjahres erreichen gut entwickelte Frischlinge ihre Geschlechtsreife. Die Tragzeit beträgt beim Schwarzwild 110 bis 120 Tage.

Kurze Zeit vor dem Frischen (Gebären) verlässt die Bache die Rotte, um einen Wurfkessel aus Gras und Zweigen zu bauen. Im April/Mai erblicken in der Regel dann bis zu acht behaarte Frischlinge mit offenen Augen die Welt.

Frühestens eine Woche nach dem frischen verlassen dann die Frischlinge das erste Mal den Kessel.
 
























In den folgenden drei Monaten werden die Frischlinge noch von der Bache gesäugt, wobei nicht selten beobachtet werden kann, dass sich mehrere Bachen gemeinsam um den Nachwuchs bemühen. In der Regel bilden die Bache mit ihren Frischlingen, sowie einigen Überläufern eine neue Rotte.

Solch eine Rotte kann immerhin, aus bis zu 40 Tieren bestehen. In besonderen Fällen kann es zu zwei Würfen kommen, dieses ist zum Beispiel der Fall, wenn die Bache ihre Frischlinge früh verloren hat, oder wenn ein besonders gutes Mastjahr herrschte.

Dann kann der jährliche Zuwachs bis zu 200 Prozent betragen. Der normale jährliche Zuwachs liegt jedoch bei 50 bis 130 Prozent des Gesamtbestandes an Schwarzwild.



Keiler



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Als Keiler (Keuler, Käuler) wird das ausgewachsene männliche Schwarzwild ab dem dritten Lebensjahr bezeichnet.  Als sichere Merkmale bei der Geschlechtsbestimmung bei älteren Stücken gelten die Waffen Keilerwaffen,


Gewaff (Eckzähne oder Hauer im Ober- und Unterkiefer) sowie der Pinsel (Haarbüschel am männlichen Genital).


Keiler leben ab einem Alter von ca. eineinhalb Jahren als Einzelgänger, lediglich zur Rauschzeit (Paarungszeit) suchen sie die Rotten auf. Dabei haben sie oft zunächst heftige Kämpfe mit ihren Rivalen durchzustehen bevor es zur Paarung kommt.
 






















Ein starker Keiler kann bis zu 250 Kg wiegen, jedoch können über Grösse und Gewicht keine allgemein gültigen Angaben gemacht werden, dafür sind diese Werte zu stark vom jeweiligen Lebensraum abhängig.




Überläufer



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Als Überläufer werden männliche und weibliche Wildschweine in einem Alter von 12 bis 24 Monaten bezeichnet. Überläufer sind in diesem Alter bereits geschlechtsreif.

Wobei die männlichen Überläufer in diesem Alter jedoch kaum eine Chance zur Paarung bekommen,
weil sie gegen die älteren Keiler in zum Teil heftigen Kämpfen nicht ankommen können.

Bei weiblichen Überläufern kommt es in diesem Alter schon häufiger zu Paarungen, allerdings frischen diese meistens nur bis zu drei Frischlinge.





















Frischlinge



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Als Frischlinge bezeichnet man junge männliche und weibliche Wildschweine bis zu einem Alter von einem Jahr. Eine Geschlechtsbestimmung ist beim Schwarzwild in diesem Alter am lebenden Tier nicht möglich.

Bei der Geburt haben Frischlinge ein Gewicht von ca. 1000 Gramm,
bis zum Herbst werden daraus ca. 20 bis 30 Kg.

Im dichten Unterholz bietet die hellbraune Färbung mit den dunklen Streifen eine fast perfekte Tarnung.


Jedoch nur in den ersten drei Monaten, danach verlaufen die typischen Streifen zu einer bräunlich bis silbergrauen Färbung im Sommer, bzw. dunkelgrauer bis schwarzer Färbung im Winter.

























Ist oder war Schwarzwild in der Gegend?



Es gibt eine Reihe markanter Anzeichen, welche uns aussagen, ob Sauen in unserer Gegend sind. In schneefreien Zeiten erkennt man ihre Anwesenheit vor allem am Gebräch (Grabungen). Auf der Suche nach Würmern, Mäusen und anderen Erdbewohnern drehen sie das Laub im Wald um oder brechen den Boden auf. Während dies dem Förster willkommen ist, können sie auf offenen Wiesen beträchtlichen Schaden anrichten.



Weitere Anzeichen für eine Präsenz des Schwarzwildes in unserer Gegend sind Pfade (belaufene und ausgetretene Wechsel), Suhlen und Malbäume.



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Ein Malbaum ist ein Baum oder Baumstrunk, an welchem sich das Schwarzwild




nach dem Suhlen (Schlammbaden) ihre Schwarte (Borsten) reiben.




Ein solcher Malbaum befindet sich immer in der Nähe einer Suhle.






 

 

 

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